Ein Mann, Charles, Anfang 60, wagt ein sportliches Extrem: er schwimmt durch den Ärmelkanal von England nach Frankreich.

Zuvor hat ihm seine Frau Maude eröffnet, dass sie ihr Leben künftig nicht mehr nur mit ihm, sondern auch mit seinem besten Freund Silas teilen möchte. Er hat die Wahl, sich darauf einzulassen oder sich von Maude zu trennen.

Die Geschichte seiner Beziehung zu Maude steht im Mittelpunkt seines Denkens, während er sich auf die Kanalüberquerung vorbereitet und schließlich startet. Der Roman ist immer bei Charles, nimmt seine Perspektive ein, wenn er erinnert, reflektiert, leidet (ganz real und körperlich) - und, vor allem, wenn er schwimmt. Oft nur mechanisch sich bewegend, manchmal atemlos, die Gedanken immer häufiger wirr und zunehmend an der Grenze zur vollkommenen Erschöpfung, bewegt er sich auf das jenseitige Ufer zu. Wird er es erreichen?

Ulrike Draesner übersetzt die Gedichte der Literaturnobelpreisträgerin von 2020, Louise Glück. Ihre eigene Prosa finde ich erzählerisch dicht, psychologisch schlüssig und literarisch herausfordernd. Sie hat mir ein großartiges Leseerlebnis beschert, und ich freue mich schon darauf, ihren Roman über Kurt Schwitters zu lesen!

Marianne Friedrich

Ulrike Draesner, Kanalschwimmer, Penguin 2021, 176 Seiten

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