Anlässlich einer Aufführung von Samuel Becketts Theaterstück Glückliche Tage begegnen sich im Theater in Melbourne drei Frauen, während ringsum Waldbrände toben und drohen, auf die Stadt überzugreifen. Diese Feuer werden uns als Resultat der zunehmenden Erderwärmung präsentiert und bilden die Kulisse für die Handlung des Romans.

Bei den Frauen handelt es sich um die pensionierte Literaturprofessorin Margot, die wohlhabende Mäzenin Ivy, eine ehemalige Studentin von Margot, und die junge Schauspielschülerin Summer, die im Theater als Platzanweiserin arbeitet. Jede dieser Frauen wird uns in separaten Kapiteln näher gebracht, bis sie sich schließlich in der Theaterpause begegnen.

Angeregt durch die Handlung des Theaterstücks, in dem eine Frau über ihr Leben und ihre Ehe monologisiert, und geschützt durch die relative Anonymität und Intimität des dunklen Theatersaals, beginnen sie, sich selbst und ihre individuellen Geschichten und Situationen zu reflektieren.

Margot sinniert über ihr Leben mit ihrem dementen und zunehmend gewalttätigen Mann John. Die Tragik und Dramatik dieses Ehelebens versucht sie vor der Außenwelt und vor allem vor ihrem Sohn Adam zu verbergen. Sie hat Angst, bei diesem auf wenig Verständnis zu stoßen, ist doch das Verhältnis der Beiden zueinander von jeher problematisch, auch weil Margot sich nie wirklich als Mutter und jetzt auch nicht als Großmutter für ihren jungen Enkel fühlt.

Ivy hingegen, eine glühende Beckett Verehrerin, ist gerade spät zum zweiten Mal Mutter geworden und geht vollständig in der Mutterrolle auf. Sie hat ihr erstes Kind durch plötzlichen Kindstod verloren und leidet immer noch unter diesem schrecklichen Trauma.

Summer wiederum ist als angehende Schauspielerin sehr bewegt von der Theaterhandlung und geht innerlich stark in Resonanz zu der Protagonistin Winnie. Gleichzeitig sorgt sie sich um ihre Partnerin April, die sich trotz der dramatischen Gefahrenlage durch die Waldbrände, auf den Weg ins Hinterland gemacht hat, um nach ihren Eltern zu schauen.

Die Begegnung der drei Frauen in der Theaterpause setzt letztlich bei allen dreien etwas in Gang, eine Jede beginnt sich für Veränderungen zu öffnen.

Claire Thomas verwebt diese drei Handlungsstränge sehr geschickt ineinander und lässt uns in die Gedankenwelten und persönlichen Schicksale ihrer drei Protagonistinnen eintauchen. Themen wie Identität, sexuelle Orientierung, Angststörungen und Missbrauchserfahrungen werden verhandelt. Dabei spielt sie gekonnt mit dem Kontrast zwischen innerem Erleben und äußerem Drama, zwischen dunklem Theater und gleißendem Licht der Feuer und zwischen passivem Erdulden und aktivem Handeln. Eine Haltung, die auch als Handlungsperspektive hinsichtlich des uns alle bedrohenden Klimawandels Gültigkeit haben sollte.

Bernhard Sinn

Claire Thomas, Die Feuer, Hanser Verlag, 2022, 256 Seiten

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