Kunst zwischen Kontrolle und Ausdruck
Ein Vortrag von Martin Fößleitner/Wien
Über kaum ein anderes Land wird so viel gemutmaßt wie über Nordkorea. Der abgeschottete Staat unter der Führung von Kim Jong-un erscheint der Außenwelt als streng reguliertes System, in dem Öffentlichkeit und Privatheit kaum voneinander zu trennen sind. Bewegung, Kommunikation und Wahrnehmung folgen festen Vorgaben; unabhängige Einblicke bleiben seltene Ausnahmen. Was sichtbar wird, ist stets das Ergebnis bewusster Steuerung. Umso irritierender ist die Existenz einer umfangreichen, institutionell geförderten Kunstproduktion. Kunst ist in Nordkorea kein Gegenpol zur Macht, sondern ihr Instrument. Jedes Bild, jede Illustration, jede grafische Geste wird geprüft, normiert und ideologisch aufgeladen. Der individuelle Ausdruck tritt zurück zugunsten einer kollektiven Bildsprache, die Ordnung, Fortschritt und Harmonie behauptet. Und doch: Gerade in dieser strengen Form entsteht eine eigentümliche Spannung – zwischen gestalterischer Präzision und politischer Zweckbindung, zwischen Ästhetik und Kontrolle.
Der Veranstaltung beginnt um 19:30 Uhr und kostet 8 Euro. Wir bitten um Anmeldung unter